Nukleare Entsorgung: Nanometergroße „Fußbälle“ aus Plutonium
Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit mehr als vier Jahrzehnten zur Chemie von Actiniden, zu denen auch Plutonium gehört. Diese Elemente spielen eine wichtige Rolle hinsichtlich der sicheren Entsorgung radioaktiver Abfälle. In einer gemeinsamen Studie mit dem Joint Research Centre Karlsruhe gelang Forschenden des KIT nun ein wichtiger Fortschritt bei der Untersuchung von Plutonium(VI), einem chemischen Zustand von Plutonium.
„Wir haben untersucht, wie sich gelöste Plutoniumverbindungen bei unterschiedlichen pH-Werten verhalten“, erläutert Dr. David Fellhauer vom Institut für Nukleare Entsorgung des KIT. In wässrigen Lösungen dominieren dabei Komplexe mit drei Plutoniumatomen. Unter stark alkalischen Bedingungen bildeten sich daraus innerhalb weniger Tage kleine Kristalle, deren Struktur die Forschenden nun aufklären konnten.
Pu60 – Nano-Fußball der Superlative
„Dabei haben wir zwei Kristallarten gefunden, die aus kugelförmigen Käfigeinheiten bestehen, in denen 60 Plutoniumatome über Sauerstoff verknüpft sind“, stellt Fellhauer fest. „Diese Pu60-Cluster sind die größten bekannten Käfigverbindungen von Plutonium.“
Besonders ist ihre Geometrie: Die Anordnung der Atome entspricht einem Dodekaederstumpf, einem seltenen geometrischen Körper in der Strukturchemie. Damit unterscheidet sie sich deutlich vom bekannten Kohlenstoffmolekül C60, das ebenfalls eine Kugelform annimmt und an einen Fußball erinnert.
Die neuen Ergebnisse liefern wichtige Einblicke in die Chemie der Actiniden. Gleichzeitig lösen sie ein jahrzehntealtes Rätsel: Bereits während des Manhattan-Projekts beobachteten Forschende ähnliche Kristalle. Mit den damaligen Methoden ließ sich ihre Struktur jedoch nicht bestimmen. Erst jetzt konnte das Team des KIT diesen Befund eindeutig erklären.
jho, 13.07.2026
