Materialforschung: Wie die EU diesen Innovationsmotor stärken kann

Essenziell für Energie- und KI-Systeme, Mobilität sowie Gesundheit: EU-Gremium mit KIT-Experten empfiehlt 31 Wege, um Materialforschung zu stärken
Titelseite des Berichts "Advanced Materials" SAPEA
In einem aktuellen Leitfaden zeigen Expertinnen und Experten 31 Wege auf, um die Materialforschung in der EU zu stärken.

Ob neuartige Halbleiter für Energiesysteme, biokompatible Implantate in der Medizin oder hochleistungsfähige Quantentechnik: Speziell designte Werkstoffe, sogenannte Advanced Materials, sind allgegenwärtig und sollen Europa auch zukünftig zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit verhelfen. Ein europäisches Fachgremium mit Beteiligung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat nun für die EU-Kommission einen Leitfaden mit 31 Empfehlungen erarbeitet, um die Materialforschung zu stärken. 

Europa: Exzellent in der Grundlagenforschung, Schwächen bei der Skalierung

Fortschritte sind laut dem Bericht in zahlreichen Bereichen – von Biotechnologien über KI bis hin zu neuen Herstellungsverfahren – zu erwarten. Doch Rohstoffabhängigkeiten, etwa bei Lithium, Kobalt oder Seltenen Erden, bleiben ein zentrales Risiko. Die Expertinnen und Experten des Science Advice for Policy by European Academies (SAPEA) raten daher dazu, Alternativen zu entwickeln, Recycling auszubauen und Materialkreisläufe zu schließen. Neu entwickelte, nachhaltige Materialien könnten dabei helfen.

Europa, so die Analyse, sei in der Grundlagenforschung weltweit exzellent, habe aber Defizite bei Skalierung, Dateninfrastrukturen und Fachkräften. Luca Ghiringhelli, Professor für Computational and Data Science in Materials Research am KIT und Mitautor des Leitfadens, sieht in datengetriebener Forschung eine mögliche Antwort: „Wir empfehlen die Entwicklung automatisierter Labore und digitaler Zwillinge. So können maßgeschneiderte Materialien schneller in die Anwendung kommen.“

Der Bericht empfiehlt außerdem neue Formate für den Austausch zwischen Forschungslaboren und Industrie, um beispielsweise Forschungsergebnisse unter realen Bedingungen zu testen, sowie klare Regeln und Zertifizierungsverfahren. Sofern die EU verlässliche Rahmenbedingungen schaffe, könnten Advanced Materials zum Motor der grünen und digitalen Transformation werden, so die Expertinnen und Experten.

iha, 22.04.2026